Bikepacking Oktober

Über kostengünstiges Reisen mit dem Fahrrad

Vor zwei Jahren habe ich das erste mal einen Bikepacking Trip ca. 640Km (5 Etappen) von Hamburg über Bremen, Westerstede, Groningen, Zwolle, nach Amsterdam gemacht. Damals hatte ich gerade eine sehr schwere Zeit, in meinem Leben, hinter mir und war absolut pleite. Nicht das “PLEITE” was man immer so salopp sagt, sondern so pleite, dass ich teilweise Sorge hatte meine Miete nicht zahlen zu können.

Wie passt ein Bikepacking Trip, also Urlaub, denn mit pleite sein überhaupt zusammen? Gute Frage, schließlich braucht man passendes Equipment, ein gut ausgerüstetes Bike, Verpflegung, Zelt, Isomatte, Schlafsack und alles im speziellen kleinen Packmaß, oder Unterkünfte für die einzelnen Etappen.

Die Frage ist braucht man sowas alles wirklich?

Vollausgerüstetes Bikepacking Setup
Quelle: https://www.cyclingabout.com

Bikepacking Equipment

Bei einem modernen Bikepacking Bike benutzt man die typischen Taschen die man in den Rahmen hängen kann, oder an Lenker bzw. Sattelstütze befestigt. Schön Aerodynamisch und perfekt verteiltes Gewicht. Allerdings kann man für solch ein Taschenset gern schnell 300-500€ ausgeben. Geld was mein 200€ Gesamtbudget natürlich mit einem Fingerschnipp sprengen würde, mal abgesehen davon, dass ich dann nur die Taschen ohne Inhalt hätte.

Da ich einfach weg aus meinem aktuellen Leben wollte, und diesen Trip als eine Art Selbstreinigung ansah, entschloss ich mich einfach zu fahren, und zwar ohne das ganze Bikepacking Equipment!

Der Finale Plan

In diesem Moment habe ich eine Entscheidung getroffen und mich ganz bewusst dafür entschieden auf jegliche Neuanschaffungen zu verzichten. Meinen Trip mit den wenigen finanziellen Mitteln die mir zu verfügung stehen einfach durchziehen.

Scheiß auf das perfekte Outfit für jede Witterung, scheiß auf Gewichtsoptimierung, scheiß auf Bike aufrüsten. Scheiß auf neue Taschen. Du hast zwei gesunde Beine und genug alte Sachen die dich da schon hinbringen werden!

Ich habe mir für den Trip einige Regeln aufgestellt:

  1. Keine neuen Klamotten kaufen
  2. Keine extra Bikepacking Taschen kaufen
  3. Nur Dinge die man schon hat verwenden, oder sich leihen kann, benutzen.
  4. Keine neuen Fahrradteile kaufen (nur Ersatzschläuche).
  5. Auf möglichst kostenlose / günstige Unterkünfte zurückgreifen
  6. Navigation nur mit dem Handy, kein extra Navi.

Alle Wege führen nach Rom Amsterdam

Ich schnallte mir mein olles backpacker Backpack auf den Rücken, packte Klamotten ein, zog meine Sportklamotten fürs “Laufen” an und fuhr nach Amsterdam! An jeder Etappe habe ich per Couchsurfing eine kostenlose Unterkunft (bzw. Sofas in kleinen Rumpelkammern) zum Schlafen organisiert.

Quelle: https://www.adventure-journal.com/2018/04/the-list-the-13-commandments-of-leave-no-trace-couch-surfing-2/

Die Reise

Der Trip war ein Augenöffner. Eine Erfahrung die für mich einfach nur super Positiv war und an den ich mich immer wieder gerne zurück erinnere.

Einen detaillierten Reisebericht werde ich euch in den nächsten Wochen schreiben. Kleiner Spoiler: Es ist eine richtige Scheißidee gewesen mit einem 14 Kilo Backpack auf dem Rücken 640km durch den 5grad kalten Oktoberregen Fahrrad zu fahren. Aber was soll’s war trotzdem geil!

Kleiner Spoiler: Es ist eine richtige Scheißidee gewesen mit einem 14 Kilo Backpack auf dem Rücken 640km durch den 5grad kalten Oktoberregen Fahrrad zu fahren.

Die einzigen Kosten die ich auf meinem Trip hatte, war für Verpflegung den Flixbus zurück nach Hamburg und ein AirBnb das ich mir für das Restgeld von 130€ für 3,5 Tage im Randgebiet Amsterdams geleistet habe.

Eine Fahrrad Reise sollte nicht darum gehen wie gut du Ausgerüstet bist, gerade beim Bikepacking geht es um die Erfahrung des Radelns über lange Distanzen und all die Momente die du auf dem Weg erlebst.
Es wird nie alles so perfekt laufen wie du es dir vielleicht vorstellst. Es ist vielleicht etwas Radikal einen solchen Trip so zu machen, wie ich es tat. Ich werde beim nächsten Trip auch bessere Ausrüstung haben, aber im Endeffekt bin auch ich ans Ziel gekommen und hatte eine Mega gute Zeit.

Es geht nur ums Radfahren, alles andere ist nicht so wichtig.

Den Konsum manchmal einzuschränken oder auf großes Shopping zu verzichten, ist zwar schwer, aber tut manchmal auch ganz gut. Hier ein kleiner Artikel mit ein paar Gedanken zum Konsum der heutigen Zeit.

Keep Riding!
Jay

Jay Verfasst von:

Wenn ich nicht gerade auf meinem Rennrad meine Runden drehe, schraube ich vermutlich dran rum. Ich mag Fahrräder lieber als Autos.